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Fort San Diego
Humboldts schönster Irrtum
Acapulco ist ein Synonym für traumhafte Pazifikstrände und das süße Leben Mexikos. Mehr als zwei Millionen Menschen leben heute in der Stadt, die noch von Alexander von Humboldt als „klein, verschlafen und dreckig“ beschrieben wurde. Oft wird aber ganz vergessen, dass Acapulco auch der wichtigste spanische Pazifikhafen war. Von hier aus regelte das spanische Imperium seinen gesamten Asienhandel. Galeonen, gefüllt mit mexikanischem Silber und mit christlichen Missionaren an Bord, verließen die Bucht gen Asien, um später schwer beladen mit chinesischer Seide, Gewürzen und Porzellan wieder im Hafen von Acapulco einzulaufen. Schiffsrümpfe gefüllt mit Reichtümern lockten aber nicht nur Händler und Glücksritter, sondern vor allem Piraten und Freibeuter.
Unter dem Vorhaben den Transpazifikhandel vor eben jenen Feinden zu schützen, errichteten die Spanier an diesem strategisch wichtigen Ort zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Fort San Diego, eine Feste von ausgefallener Architektur. Der Legende nach gab ein spektakuläres freibeuterisches Meisterstück den finalen Anstoß für den Bau dieses Bollwerkes.
Der berühmte und gefürchtete Pirat Sir Francis Drake soll hier die reich beladene spanische Galeone „Nuestra Senora de Concepcion“ gekapert haben, was letztlich Spanien zur Errichtung der Festung veranlasst haben soll. Sofern die Legende der Wahrheit entspricht, gilt es, dem Freibeuter zu danken, müsste die Welt doch ohne seine Bemühungen auf ein architektonisches Meisterwerk von historischer Bedeutung verzichten. Dank dieser Festung wurde Acapulco über die Jahrhunderte hinweg zu einem der Hauptschauplätze mexikanischer Geschichte.
Ein Umstand, der diesen Ort auch zu einem Manifest eben dieser Nationalhistorie werden lässt. Man trägt dem Rechnung, indem man Fort San Diego zum „Museo Historico de Acapulco“ ausgebaut hat. Hier wird dem geneigten Besucher die Geschichte Acapulcos und der Region in zahlreichen, thematisch ganz unterschiedlich angelegten Ausstellungsräumen vermittelt.
Die Ausstellungen sind chronologische geordnet, von den vorspanischen Kulturen über den spanischen Pazifikhandel bis hin zu einem Raum, der die herausragende Rolle des Forts während des Unabhängigkeitskrieges und die Eroberung der Festung durch die Mexikaner unter General Morelos darstellt. In jedem der Räume, die auch wieder populär gewordene Themen, wie etwa die Piraterie im Pazifik behandeln, können sich die Besucher Dank untertitelter Videos über die jeweiligen Exponate informieren. Waffen und Schiffe, Piraten und Kriege sind ebenso Thema der Ausstellungen, wie historische Alltagsgegenstände.
In Klang- und Lichtshows wird zudem von Donnerstag bis Samstag die Geschichte der Region medial eindrucksvoll dargestellt. Im Fort San Diego scheint es gelungen, Jahrhunderte mexikanischer Historie an einem einzigen Ort zu versammeln. Das lässt die Festung zu einem obligatorischen Ausflugsziel für jeden geschichtsbegeisterten Mexikobesucher werden. Und selbst ein zweiter und dritter Besuch des sternenförmigen Bauwerkes kann lohnend sein, da die Ausstellungen nicht statisch sind, sondern regelmäßig, in eigens dafür vorgesehenen Räumen wechseln. Im Fort San Diego lässt sich also immer wieder etwas Neues entdecken und erfahren.
Erfreulich ist, dass auch die Anreise zur Festung keine großen Anstrengungen erfordert. Das Bauwerk, hoch auf einem Hügel nahe des Hauptplatzes im Zentrum des historischen Acapulcos gelegen, lässt sich einfach per Bus oder Taxi erreichen. Für Sparsame Weltenbummler empfiehlt sich ein Besuch an einem Sonntag, da das Museum an diesem Tag, ebenso wie alle anderen mexikanischen Museen, keinerlei Eintrittsgelder verlangt. Ebenso typisch wie der eintrittsfreie Sonntag ist der montägliche Ruhetag. Sollte es Sie aber dennoch an einem Montag in diese Region Mexikos verschlagen haben, bieten sich neben entspannenden Strandzeiten noch weitere Möglichkeiten, diesen Tag überaus einprägsam zu gestalten.
Die Besichtigung der Kathedrale „La Quebrada“ ist ebenso lohnenswert, wie den durch ihren Mut beeindruckenden Klippenspringern von Acapulco beim Zelebrieren ihrer Todesverachtung zuzusehen, wenn diese sich aus 42 Metern Höhe in eine schmale, schäumende Meeresbucht stürzen. Die Menschen, die Geschichte und sensationelle Schauspiele machen das Fort San Diego und Acapulco sicherlich zu Humboldts schönstem Irrtum.
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